Mendocino County

In Fort Bragg startet der Tag wie all die vielen Tag zuvor etwas unterkühlt und nebelig - so ist das an der Nordpazifikküste nun einmal. Wir starten durch nach Mendocino County. Ob es das Mendocino ist, welches Michael Holm besungen hat, bin ich mir nicht so ganz sicher, aber in Memoriam an Mr. Hitparade, Dieter Thomas Heck, lassen wir den Song bei der Einfahrt in den winzigen Ort Mendocino laufen.

Mendocino ist ein hübsches 900 Seelen Örtchen. Alle Häuschen sind im maritimen Stil erbaut und stammen aus der Zeit der 1930iger Jahre. Der Ort zählt zu den höherpreisigen Tourismuszielen. Es gibt keine Hotelketten. Einige der süßen Häuschen enthalten B&Bs. Wir fühlen uns eingeladen und stoppen zum Frühstücken. Die kleine Bäckerrei ist nicht nur voll - sie platzt fast aus allen Nähten. Man hat das Gefühl, der halbe Ort, zumindest aber alle Touristen im Ort sind zeitgleich hier zum Frühstücken. Wenige Minuten hinter Mendocino überqueren wir die einzigste historischen Brücke des alten Highway Nummer 1. Aus Hölzern der Douglasien gefertigt ist sie ein Beispiel, wie viele der Brücken in den 20iger und 30iger Jahren gefertigt wurden.

Wir verlassen den Highway 1 und biegen auf den 128 in Richtung Inland und damit zurück in Richtung Highway 101 ab. Die Straße führt uns durch die wunderschönen Weinanbaugebiete 🍇 Kaliforniens. Wir halten bei Lula, einem kleinen Weinbauern und lassen uns von seinen Weinen verführen. Während wir Lula's Weine verkosten, fallen Paul und Emma über eine große, wilde Brombeersträucher her. Die Beeren sind richtig groß schmecken herrlich süß.

Schade, dass wir den Wein nicht in Kisten nach Europa bekommen oder zumindest nicht ohne größeren Aufwand und unverhältnismäßig hohe Kosten. Wir entscheiden uns jeder für eine Flasche Wein. Susann nimmt einen Pino Noir 2014 und ich entscheide mich für einen Chardonnay. Der Chardonnay hat mir besonders gut gefallen - ich hatte das Gefühl den würzigen Geruch der Redwood Wälder in dem wunderbaren Wein zu schmecken. 🍷

Am Nachmittag erreichen wir Santa Rosa unseren vorletzten Stop. Morgen geht es nach San Francisco. Ich freue mich riesig!

Humboldt County to Fort Bragg

California is calling! Wir verlassen Humboldt County und fahren den 101 weiter südlich. Nach San Francisco, dem Ziel unserer diesjährigen Tour, ist es nicht mehr weit - gerade einmal 299 Miles. Unsere heutige Etappe führt uns jedoch zunächst einmal nach Fort Bragg, einem kleinen Örtchen, gebaut im Western Stil.

Auf unserer 3-stündigen Fahrt bemerken wir immer eindeutiger, dass wir in Kalifornien sind. Die Wälder, immer noch von Redwoods dominiert, verändern sich. Es ist vor allem die Bodenvegetation die weniger dicht und üppig ist. Farne gibt es nicht mehr. Da, wo die Wälder weniger dicht sind, typische, vom Sommer vertrocknete Wiesen. Auch das Gestein der Berge verändert sich, es wirkt mehr wie Basalt. Es gibt die typischen, ebenfalls im Sommer ausgetrockneten Flüsse, deren Breite jedoch erahnen lässt, welche Wassermassen im Frühjahr in Richtung Pazifik fließen.

Wir finden einen kleinen Fluß, welcher noch reichlich klares Wasser führt. Es ist gar nicht so kühl und Paul beschließt kurzerhand, die willkommene Erfrischung zum Schwimmen zu nutzen. Nach der kleinen Pause zweigt unsere Route vom 101 ab und schlängelt sich entlang des Highway Number 1. Wir erreichen Fort Bragg am Nachmittag. Hatten wir am Vormittag wärmende Sonne und wirklich sommerliche Temperaturen, verspüren wir in Fort Bragg die frische Brise des Pazifiks. Es scheint, dass die Stürme über Hawaii kühle, pazifische Lufmassen vorantreiben und zumindest küstennah die Strömungen warmer kalifornischer Inlandsluft zurückdrängen.

Fort Bragg selbst hat keine gigantischen Sehenswürdigkeiten. Eine Umweltschande aus den frühen 50iger Jahren macht Abschnitte des heutigen Strandes zu etwas Besonderem - Glass Beach. Einst wurde städtischer Müll einfach im Meer verklappt. Den tausenden von Glasflaschen nahm sich der Pazifik an, brach das Glas und schliff es durch die unermüdlichen Wellenbewegungen zu kleinen, runden Glassteinen. Im Sonnenlicht soll der Strand fantastisch glitzern. Prüfen konnten wir das heute nicht. Mal schauen, ob morgen früh die Sonne scheint.

Patricks Point State Park

Oh wie herrlich kuschelig sind wir heute morgen in unserem süßen, kleinen Häuschen mitten im Wald wach geworden. Ich bin husch einmal kurz aus dem Bett geschlüpft, habe die Gastherme angeschmissen, um dann noch einmal zu schlummern. Ein Halbes- oder vielleicht Dreiviertelstündchen später zieht bereits der Duft frischen Kaffees durch den Raum - hmmm. 

Wir gehen es heute etwas ruhiger an. Gemütliches Frühstücken, kein Ortswechsel und dennoch wollen wir uns bewegen und etwas von der Umgebung entdecken. Gegen Mittag brechen wir zu einer kleinen Wanderung in den Patricks Point State Park auf. Der Wanderweg ist als Rundweg angelegt und führt weitgehend entlang der Steilküste. Immer wieder gibt es die Möglichkeit nach einem Abstecher an den Strand hinunter oder auf Felsen hinauf. Wir nehmen alle mit, bleiben an schönen Aussichten stehen oder sitzen. Entdecken handtellergroße Seesterne, dösende Seehunde; beobachten Vögel und träumen ein wenig.

Nach der knapp dreistündigen Wanderung entschließen wir uns auch den Abend nicht auswärts zu verbringen, holen uns ein paar Dosen Dr.Pepper, Pizza, Obst und süße Schweinereien - alles was wir für einen gemütlichen Abend im kleinen Häuschen benötigen.  

Von Bandon, OR nach Arcata, CA

Unser letzter Morgen in Oregon beginnt mit einem frischen, warmen Kaffee und einem Cream-Chease-Bagel. Einfach aber lecker. Das kleine Café im Ort ist gut besucht - Anwohner, Urlauber, Durchreisende, Trucker - alle treffen sich hier in typisch amerikanischer Gemütlichkeit und Gastfreundschaft. An der Wand hängen Bilder, stumme Zeugen aus der Zeit um 1900, als Fisch- und Holzindustrie noch dominierten. Heute ist es, wie an allen anderen Ortschaften entlang des 101, der Tourismus.

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Das Wetter hat sich heute erneut gedreht. Es ist kühl, bewölkt und neblig. Unserer Reise- und Entdeckungslust schadet dies nicht. Kurz hinter Bandon sehen wir linker und rechter Hand Cranberry Farmen - die größten der USA. 15 Millionen Tonnen dieser Früchte werden hier jährlich geerntet und in der Mehrheit als Zutaten verarbeitet.

Der Küstenstreifen in Oregon wechselt heute weniger oft - es bleibt überwiegend Steilküste, meist schroffe Gesteine, das Landesinnere aber weiterhin Wald, Wald, Wald. Da unsere Fahrtstrecke heute etwas weiter ist und somit mehr Zeit in Anspruch nimmt, fallen Stops mit Strandspaziergängen heute eher kurz aus. Auch in den Orten an der Strecke halten wir weniger oft. Allerdings kommen wir an einem kleinen Landen mit überwiegend regional hergestellter Handwerkskunst aus Myrthelholz nicht vorbei. Wir erstehen eine Devotionalie für unsere heimische, offene Küche im Coffee Shop Style.

Während sich der Highway 101 auf einem längeren Abschnitt deutlich von der Küste entfernt, überqueren wir nahezu unbemerkt die Grenze nach Kalifornien. Fast ebenso schlagartig verändern sich die Bäume und wir haben plötzlich das Gefühl, wir, als auch die vor uns fahrenden Fahrzeuge sind geschrumpft und die uns umgebende Welt hat sich vergrößert. Kalifornische Küstenredwoods dominieren die Wälder und werden immer häufiger. Wir durchqueren erste Abschnitte des Reedwood National Park und gelangen an unser heutiges Etappenziel: Arcata, CA.

Für die kommenden 3 Nächte schlagen wir unser Quartier in einem süßen kleinen Häuschen, inmitten vom Wald auf. Die nächsten Tage stehen Reedwood-Wanderungen und Strandspaziergänge auf dem Programm.